Ausbau Speicherkraftwerk Kühtai

Ausbau Speicherkraftwerk Kühtai

Riesige Hochgebirgsbaustellen und massive Gewässereingriffe mit umfangreichen Wasserableitungen bedrohen das Ruhegebiet Stubaier Alpen und den Naturpark Ötztaler Alpen.

Lärmende Hubschrauberflüge, Materialseilbahn, Baustollen, große Baustelleneinrichtungsflächen

Steinschlagschutzwälle, zahlreiche Sprengungen und großflächige Betonier Arbeiten bedrohen das Ruhegebiet Stubaier Alpen und den Naturpark Ötztaler Alpen.

Das Projekt Pumpspeicherkraftwerk Kühtai ist eine Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz durch den Bau einer zweiten Oberstufe (Jahresspeicher Kühtai mit 31 Millionen Kubikmeter Nutzinhalt und 113 Meter hohem Staudamm) im hinteren Längental. Über einen 25,5 km langen Beileitungsstollen soll aus dem hinteren Stubaital der Fernaubach, Daunkogelfernerbach und Unterbergbach, sowie oberhalb von Gries/Sulztal im Bereich westliche Stubaier Alpen / mittleres Ötztal Fischbach, Schranbach und Winnebach abgeleitet werden. Im Bereich der Wasserfassungen Unterbergbach und Fischbach sind zusätzliche Pumpstationen geplant.

Die vermeintlich reine Tiroler Pumpspeicher-Wasserkraft enthält jedoch jede Menge schmutzigen Atomstrom, da der Euromix-Strom zum Pumpen derzeit 35 Prozent Atomstrom und 53 Prozent Kohle enthält. Nur 12 Prozent sind aus erneuerbaren Energien. Ein Viertel des zum Pumpen eingesetzten Stroms geht im Betrieb verloren.

Weitgehend unberührte alpine Hochtäler werden durch das Projekt hochgradig belastet und natürliche, unbelastete Alpenbäche werden durch die Baumaßnahmen und drastischen Wasserableitungen massiv in ihrer Ökologie gestört und zu toten Rinnsalen verurteilt.

Der Ötztaler Ache würde dadurch auch die Zuleitung aus dem Sulztal abgeschnitten. Zusammen mit dem anderen geplanten Mega-Kraftwerk-Projekt Kaunertal, wo mit der Ableitung der Gurgler Ache, Venter Ache, Königsbach und Ferwallbach das gesamte oberste Einzugsgebiet abgeschnitten werden soll, wäre das für die Ötztaler Ache ein Wasserentzug von unglaublichem Ausmaß.

 

Eine naturschutzrechtliche Bewilligung in diesen Schutzgebieten ist normalerweise nicht möglich.

Die erläuternden Bemerkungen zum Tiroler Naturschutzgesetz TNSchG 1975 geben für ein Ruhegebiet eine vollkommen andere Richtung vor:

……. dass Gebiete gesichert werden, die keine über das Bestehen von Wanderwegen und alpinen Unterkünften hinausgehende technische Erschließung aufweisen. Diesen durch Naturbelassenheit und Ruhe ausgezeichneten Gebieten wird in Zukunft große Bedeutung für die Erholung in der freien, nicht durch die Technik verfremdeten Natur zukommen.“

 

Wachsenden Energiehunger, gesetzliche Vorgaben zum Ausbau erneuerbarer Energien und großzügige Ökostromförderung steigern den Druck auf die letzten unberührten alpinen Wildflüsse und Bergbäche.

Laut Wasserkraftwerksliste des Umweltdachverbandes Österreich, Stand April 2014 befinden sich derzeit 212 Wasserkraftwerke in Planung. 110 davon  in sehr sensiblen Regionen und 37 befinden sich sogar in bedeutenden Schutzgebieten, wie Natura2000-Gebieten, Nationalparks oder Ruhegebieten. Da das österreichische Wasserkraftpotential schon zu 75% genutzt wird, müssen die Stromkonzerne nun in die letzten freien, ökologisch intakten und ungenutzten Räume und Wasserabschnitte vordringen.

Mountain Wilderness Österreich fordert deshalb eine nachhaltige Wasserkraftnutzung und eine stärkere Beachtung ökologischer Belange um folgenreiche, irreversible Eingriffe in wertvollen unberührten alpinen Gewässerökosystemen und Landschaften zu vermeiden. Die letzten natürlichen alpinen Wasserläufe, müssen langfristig unter Schutz gestellt werden und sollten vor allem in bestehenden Schutzgebieten unangetastet bleiben.

Genehmigungsstand des Verfahrens:

Von der Tiroler Wasserkraft  TIWAG wurde eine Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) eingereicht und ist derzeit in Prüfung.  - Geplante Inbetriebnahme ca. 2020

Im Okt. 2014 findet voraussichtlich ein öffentlicher Termin zum Stand des Verfahrens statt.

 

Bild 1: Winnebachtal Bereich der geplanten Ausleitung

Winnebachtal Bereich der geplanten Ausleitung

 

Bild 2: gepl. Wasserfassung Winnebach

Winnebach geplante Wasserfassung

 

Bild 3 Winnebachtal mit Bachfalle (Bilder: © Heinz Wiedmann)

Winnebachtal mit Bachfalle

 

 

Grafik: Ausbau PSK Kühtai  (TIWAG Tiroler Wasserkraft AG)

Ausbau PSK-Kühtai_Übersicht_geografisch (zum Öffnen bitte klicken)

 

 

Info‘s / Internet-Links:

http://www.umweltdachverband.at/themen/wasser/wasserkraft/uwd-wasserkraftwerksliste/

http://www.tiroler-umweltanwaltschaft.gv.at/infokonzepte/positionen/wasserkraft.html

http://www.fluessevollerleben.at

 

09.09.2014  Heinz Wiedmann